Endet das Zinstief? So sind Anleger vorbereitet
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Endet das Zinstief? So sind Anleger vorbereitet

Zinstief

Die EZB leitet eine schrittweise Normalisierung ihrer Geldpolitik ein. Ihre Wertpapierkäufe hat sie schon zurückgefahren, Ende des Jahres laufen sie ganz aus. Eine erste Leitzinserhöhung ist aber nicht vor Ende 2019 zu erwarten. So stellt das historische Zinstief Anleger weiter vor Herausforderungen. Wer sein Vermögen trotz turbulenter Märkte mehren will, braucht klare Ziele, Disziplin und fachkundige Berater.

Es  ist frappierend: Die meisten jungen Erwachsenen in Deutschland durften nie das Gefühl erleben, auf ihre Spareinlagen ordentliche Zinsen zu bekommen. Kein Wunder, ist es doch seit 1995 mit den Realzinsen bergab gegangen. Erst schleichend, dann, nach der globalen Finanzkrise 2008, in großen Schritten. Auf dem Tagesgeldkonto ihrer Bank erhalten Verbraucher inzwischen nur noch homöopathische Zinsen gutgeschrieben, die kaum mehr ein halbes Prozent pro Jahr erreichen. Zugegeben, auch die Inflation sank, allerdings zu wenig für einen realen Werterhalt. Die Realzinsen für kurzfristige Spareinlagen sind schon um die Jahrtausendwende unter die Null-Prozent Marke gerutscht.

Infografik

Leitzins auf Talfahrt

Verlauf des Leitzinses der Europäischen Zentralbank EZB. Seit März 2016 verharrt er bei 0,0 Prozent.
(Quelle: Europäische Zentralbank)

Anleihen ohne nennenswerte Erträge

Für die letzten Jahre gilt dies auch für Anleihen. Der Internationale Währungsfonds sieht die deutsche und europäische Lebensversicherungsbranche deshalb auch schon länger in der Krise. Zinsversprechen und Anlagerenditen klaffen immer weiter auseinander. Die nachhaltige Garantieverzinsung wird zum kaum mehr einlösbaren Versprechen. Die Staatspapiere, in denen der größte Teil des Geldes der Versicherungen steckt, bringen keine nennenswerten Erträge mehr. Denn wer direkt in Bundesanleihen investiert, muss eine Anlagezeit von mehr als 100 Jahren einplanen, um eine Verdoppelung des angelegten Nominalbetrages zu erleben.

Der Realwert festverzinslich angelegter Ersparnisse schmilzt so schon seit Jahren. Und weil das klassische Girokonto, Festgeld oder Tagesgeld hier zu Lande immer noch zu den beliebtesten Anlageformen gehören, schwindet - nach Abzug der Inflationsrate - auch der Wert der Vermögen insgesamt.

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Bundesbürger scheuen den Einstieg an der Börse

Zu lange hat sich eine breite Mehrheit der Bundesbürger auf die vermeintlich sicheren und nachhaltigen Sparpläne verlassen. Zu wenig hat man hier zu Lande begonnen, die Chancen und die Risiken anderer Kapitalanlagen abzuwägen. 5.857 Milliarden Euro (Stand Ende 2017) liquides Geldvermögen haben die Deutschen Privatanleger insgesamt angespart. 85 Prozent davon sind in Zinsanlagen angelegt, die immer weniger Rendite bringen. Die Bereitschaft, den Schritt auf den Aktienmarkt zu wagen, um von den Gewinnen börsennotierter Unternehmen und den Wertsteigerungen ihrer Anteilsscheine zu profitieren, ist bei Verbrauchern immer noch unterentwickelt.

Daran ändert auch der Zuwachs an Aktionären wenig. „Mit rund 10 Millionen lag die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds Ende 2017 auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren“, meldet das Deutsche Aktieninstitut. Der Höchststand von 2001 (12,9 Millionen Besitzer von Aktien und Aktienfonds) ist allerdings noch in weiter Ferne.

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haben Sparer in Deutschland

Euro

durch Niedrigzinsen verloren.*

* Studie der HypoVereinsbank

Die Studie basiert auf einer gesamtdeutschen Anlagesumme von 2.016 Milliarden Euro mit einer Durchschnittsverzinsung von 0,256 % (bestehend aus Bargeld, Sichteinlagen, Tagesgeld, Termineinlagen, Sparkonten). Das entspricht einem jährlichen Bruttozinsertrag von 5,2 Milliarden Euro.
Zinseinnahmen abzüglich Inflation, Steuern und Abgaben.
Quelle: Bundesbank, Juli 2015

Unwissenheit und Untätigkeit werden bestraft

Zögernde Anleger wurden in den vergangenen Jahren bestraft. Denn wer vor der Wirklichkeit auf den Märkten die Augen verschließt, verliert schon seit einiger Zeit real -  unter Berücksichtigung der Inflation - angespartes Kapital. Wer auf eine schnelle Rückkehr der guten alten Zeiten mit auskömmlicher Verzinsung hofft, dürfte enttäuscht werden.

Nun könnte sich der Wind aber drehen – und verzinste Anlagen könnten wieder an Attraktivität gewinnen. Zwar dürften die Zinsen für Anleihen insbesondere in Europa noch länger auf niedrigem Niveau bleiben. „Wir erwarten vor Ende 2019 keine Leitzinserhöhung weg von der Null seitens der Europäischen Zentralbank“, sagt Oliver Postler, Chief Investment Officer der HVB. Allerdings schaffe die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, das Kaufprogramm für Staatsanleihen Ende 2018 einzustellen, moderate Zuversicht in Sachen Zinsen. „Vor diesem Hintergrund dürfte der Trend bei den Renditen ganz langsam und moderat nach oben gehen“, so Postler.

Sicher ist jedoch: Wer einen realen Wertverlust seines Vermögens vermeiden will, muss auch in Zukunft den Blick über den Tellerrand wagen. Nur wer sich informiert, gewinnt. Nie war es so nötig wie heute, die Chancen verschiedener Geldanlagen auszuloten und die Risiken abzuschätzen. Realer Werterhalt wird über die nächsten Jahre wohl nur mit der Beimischung von Sachwerten möglich sein. Dazu gehören auch Aktien und Immobilien. Als Anleger muss man sich aber immer der Schwankungen und Verlustrisiken bewusst sein.

Umfeld für Anleger bleibt herausfordernd: Mit klug ausbalanciertem Portfolio zum Erfolg

Langfristig garantiert nur ein klug ausbalanciertes Portfolio den Anlageerfolg. Dabei sind – vor allem anderen – die persönlichen Präferenzen und Lebensumstände des Investors ausschlaggebend: Geht es ihm darum, sein Vermögen nachhaltig zu steigern? Kann er eine langfristige Kapitalbindung eingehen, um beispielsweise seine Altersvorsorge zu optimieren? Und welche liquiden Rücklagen werden benötigt, um laufende Kosten, wie ein Darlehen für das Eigenheim, zurückzuzahlen?

Jeder Anleger muss für sich entscheiden, welche Risiken er eingehen will, um die sich bietenden Chancen zu nutzen. Er muss seinen Anlagehorizont definieren, muss wissen, wie viel Zeit er sich gibt, um Kursrückschläge an den Märkten auszugleichen und wann er über sein Geld verfügen möchte. Und ob er das Risiko eingehen möchte, einen Teil seiner Anlage – oder sogar die gesamte – zu verlieren.

Auf Dauer sind die Folgen von Niedrigzinsen oder gar negativen Zinsen schädlich - etwa bei der Vorsorge fürs Alter.“ (FAS, 27. Juni 2016)

Wolfgang Schäuble (CDU) Ehemaliger Bundesfinanzminister

Foto: Foto: Adam Berry / GettyImage

Bankberater können wichtige Hilfestellung leisten

Ein erfahrener Bankberater kann hier wichtige Hilfestellung leisten. Etwa, wenn es gilt Unternehmen zu identifizieren, die mit regelmäßig hohen Dividenden interessante Renditen bieten – und deren Aktien so in Zeiten von Niedrigzinsen ein Gegengewicht im Depot zu wenig erträglichen Anleihen bilden können.

Zu einem klug ausbalancierten Portfolio gehört vor allem anderen die ausgewogene Streuung der Risiken – der beste Schutz gegen Wertverlust. Die richtige Allokation (Gewichtung Aktien vs. Anleihen und Regionen) macht meist rund 80 Prozent der Performance aus. Die Auswahl der einzelnen Titel oder das Timing bei Kauf oder Verkauf rücken dagegen in den Hintergrund.

Ob der Anleger sich dabei für gemanagte Fonds entscheidet oder für einen so genannten Exchange Traded Funds (ETF), hängt wiederum von den persönlichen Präferenzen und Risikobereitschaft ab: Mit einem ETF, der mit seiner Mischung einen Index wie etwa den Dax nachbildet, ist mit geringen Kosten eine Entwicklung der eigenen Finanzen erreichbar, die der des Gesamtmarktes im jeweiligen Segment entspricht. Wer auf überdurchschnittliche Performance hofft, könnte mit einem gut geführten Fonds bessere Ergebnisse erzielen – dafür lassen sich die Fondsmanager ihre Arbeit mit einem Teil der Erträge bezahlen. Kursrisiken sind allerdings bei beiden gegeben.

Infografik

Das Terrassenmodell der Geldanlage

So funktioniert's: Erst Rücklagen bilden, dann Vermögen aufbauen.

Diversifikation und Disziplin führen ans Ziel

Generell sind Diversifikation und Disziplin in jeder Marktlage besonders wichtig. Wer sich langfristige Ziele setzt, und diese auch im Auf und Ab der Märkte nicht aus den Augen verliert, hat die besten Chancen, ein erfolgreicher Investor zu werden. Dabei komme es darauf an, an den eigenen Regeln festzuhalten und sich nicht unbedacht vermeintliche Schnäppchen zu sichern, die aus einem ausgewogenen Portfolio schnell ein Depot mit schwer beherrschbaren Risiken machen können.

Monatlich konstante Beträge zur Geldanlage, etwa beim Erwerb von Fondsanteilen, können vor allem in der Anfangsphase eines Sparplans helfen, die Wirkung von Kursschwankungen auszugleichen. Denn mit dem Kauf von mehr Anteilen bei gleichbleibenden Sparraten im Kurstief erhöhen sich die Chancen, vom Kursanstieg zu profitieren.

Allerdings hat auch dieser so genannte Durchschnittskosteneffekt seine Grenzen: Denn die Rechnung geht nur auf, wenn die Kurse zum Ende der Laufzeit auch tatsächlich wieder anziehen. Und je größer der angesparte Betrag, desto weniger macht es dann aus, wenn weiter Anteile mit konstanten Anlagebeträgen nachgekauft werden.

„Die Pflege des Wertpapierdepots verlangt daher immer auch die Qualitäten eines guten Gärtners“, sagt Chief Investment Officer Postler. „Es kommt wie im Garten darauf an, wuchernde Stauden zurückzuschneiden, Unkraut zu entfernen und immer neue Pflänzlinge zu setzen, um die Blütenpracht zu erhalten.“ Anlegern müsse aber immer klar sein, dass Märkte zusammenbrechen und nachhaltige Verluste auch über mehrere Märkte hinweg entstehen können.

Zur individuell maßgeschneiderten Lösung für den Kunden können neben der Geldanlage in Wertpapieren gerade im Zinstief auch Investitionen in geschlossene Sachwertefonds oder Alternative Investments wie etwa privates Beteiligungskapital gehören. Dafür zieht der Berater je nach Anleger bei Bedarf Experten aus der Bank hinzu, die nach der Analyse der persönlichen Präferenzen und Ziele des Kunden ihre Fachkompetenzen in das Beratungsgespräch einbringen.

So kann etwa der Kauf einer Immobilie, egal ob zur Vermietung oder als Eigenheim, oder eine verbesserte Struktur der Finanzierung bereits erworbener Immobilien ein wichtiger Baustein bei der Optimierung der Anlagestrategie sein.

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