Parlamentswahl in Frankreich: Macrons Siegeszug geht weiter
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Parlamentswahl in Frankreich: Macrons Siegeszug geht weiter

Märkte: Europa

Bei den Parlamentswahlen in Frankreich untermauerten Emmanuel Macron und seine Bewegung „En Marche!“ den Erfolg der Präsidentschaftswahl, holten die absolute Mehrheit. Das dürfte dem liberal-progressiven Staatsoberhaupt politische Handlungsspielräume verschaffen, die Finanzmärkte in Europa könnten profitieren.

Frankreich hat einen neuen Präsidenten – und er kann im Parlament auf eine absolute Mehrheit bauen. Emmanuel Macron, liberal-progressiv und europafreundlich, setzte sich in der Stichwahl am 7. Mai deutlich mit 66 Prozent der Stimmen gegen Marine Le Pen (34 Prozent) durch. Dabei profitierte Macron davon, dass die meisten der in der ersten Wahlrunde ausgeschiedenen Kandidaten ihre Anhänger dazu aufgerufen hatten, ihn zu unterstützen. Bei den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni dann holte Macrons Bewegung „En Marche!“ die absolute Mehrheit. Europa atmete auf, hatte vor allem Le Pen doch in den Monaten zuvor Politik und Finanzmärkte mit ihrem europafeindlichen und protektionistischen Wahlprogramm sowie ihren starken Umfragewerten verunsichert.

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Euro und Euro-Aktien im Aufwind

Macron dagegen ließ bei seiner Siegesfeier vor dem Pariser Louvre-Museum Beethovens „Ode an die Freude“ spielen. „Europa und die Welt erwarten von uns, dass wir den Geist der Aufklärung verteidigen“, sagte er anschließend in seiner Rede.  Die Märkte in Europa regierten positiv – zumindest unmittelbar nach dem Wahlentscheid.  So schoss der Euro im Vergleich zum Dollar im asiatischen Handel über die Marke von 1,10 und markierte damit den höchsten Wert seit der Trump-Wahl. Vorbörslich konnten auch die Aktienmärkte in Frankreich und Deutschland zulegen, mussten aber im regulären Handel ebenso wieder kleine Abschläge hinnehmen wie der Euro. Nichtsdestotrotz sind Euro und Euro-Aktien seit dem Sieg Macrons im ersten Wahlgang kräftig gestiegen. Den Primärtrend sehen wir ohnehin nach oben gerichtet.

Mit der Wahl Macrons haben nämlich nicht nur die politischen Risiken in Europa weiter abgenommen. Auch die wirtschaftlichen Rahmendaten in Europa versprechen Unterstützung. Das starke konjunkturelle Momentum im Euroraum gepaart mit anziehenden Gewinnschätzungen, der relativ günstigeren Bewertung, fehlenden Anlagealternativen und vor allem ansehnlichen Dividendenrenditen spannen ein Sicherheitsnetz unter die kontinentaleuropäischen Märkte. 

„Mit den Ergebnissen der französischen Parlamentswahlen haben sich die politischen Unsicherheiten in Frankreich und Europa weiter verringert“, erklärt Oliver Postler, Chief Investment Officer für Privatkunden bei der HypoVereinsbank. Mit der erneuten Reduzierung politischer Risiken gewinne der optimistische Euroraum-Ausblick der HypoVereinsbank, basierend auf den starken realwirtschaftlichen Daten, weiter an Gewicht, die starke Position des neuen Präsidenten Emmanuel Macron dürfte diese Entwicklungen noch einmal akzentuieren. Zudem, so Postler, sei das Ergebnis der Frankreich-Wahl ein weiteres Indiz dafür, dass der Rechtspopulismus in Europa seinen Zenit überschritten habe.

Analyse

Emmanuel Macron siegt, Europa gewinnt

Die Lage nach Emmanuel Macrons erneutem Triumph bei den Parlamentswahlen: Europa scheint den USA den Rang abzulaufen. Lesen Sie hier, wie es politisch nun weitergeht – und was das für die Wirtschaft bedeutet.

 

Zu den relevanten Wirtschaftsdaten zählen unter anderem Konjunkturindikatoren wie der EWU-weite aggregierte Einkaufsmanagerindex, der mit 56,4 Punkten auf ein Sechsjahreshoch gestiegen ist und seine Pendants aus den USA, Großbritannien und Japan abgehängt hat. Das spricht für einen breit angelegten wirtschaftlichen Aufwärtstrend. „Angesichts des starken Jahresauftakts haben unsere Volkswirte ihre Wachstumserwartungen für den Euroraum von 1,5 Prozent auf knapp 2 Prozent angehoben“, so Oliver Postler.

Auch die Weltwirtschaft nimmt weiter an Fahrt auf. So sieht es derzeit danach aus, als könnte das globale BIP im Jahr 2017 sogar um bis zu 4 Prozent zulegen. Die globalen Einkaufsmanagerindizes lassen das stärkste Quartalswachstum seit zwei Jahren erwarten. Ähnlich positive Signale kommen vom Erwartungsindex und auch von den globalen Gewinnerwartungen.

Infografik

BIP Wachstumrate

Die Infografik zeigt das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) Frankreichs von 2006 bis 2016 (Angaben in Prozent).

 Quelle: IMF, Dezember 2016.

Doch zurück in die französische Politik: Der neue Präsident Macron gilt als Modernisierer, strebt Strukturreformen an und dürfte sich dezidiert europafreundlich zeigen. Das könnte die Stimmung weiter ins Positive drehen. „Unserer Einschätzung nach könnte die französische Wirtschaft insgesamt profitieren, was sich wiederum positiv auf die Finanzmärkte niederschlagen würde“, so Oliver Postler.

In dieses Gesamtbild passen auch die Auftritte des neuen Präsidenten in den vergangenen Wochen, in denen er Donald Trump Paroli bot, eine unkonventionelle Regierungsmannschaft zusammenstellte und sich klar für ein (reformiertes) Europa aussprach. Als Sahnehäubchen schließlich triumphierte Macrons Bewegung „En Marche!“ bei den Parlamentswahlen im Juni und sicherte sich sogar die absolute Mehrheit. Dies dürfte dem Präsidenten die Spielräume schaffen, um seine ambitionierten politischen Pläne durchzusetzen.

Auch in Zukunft aber dürfte Marin Le Pen als Gegenspielerin von Macrons Politik auftreten und dafür die Sozialen Medien nutzen. Le Pen baut auf ein schlagkräftiges Netzwerk von Bloggern und digitalen Unterstützern, um ihre Botschaften unabhängig von den traditionellen Medien zu kommunizieren. Und auch die oft beschworenen „Social Bots“ dürften längst zum Einsatz kommen, automatisierte Chat-Programme, die die Schlagkraft einer Partei in den Sozialen Medien vervielfachen können (siehe Kasten).

Merkbox

Social Bots

 

 

Fraglos ist die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums reformbedürftig. „Die Verschuldungsquote liegt hier bei 96 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, gibt Postler zu bedenken. „In Deutschland liegt dieser Wert nur bei 72 Prozent.“ Impulse wären auch deshalb absolut nötig, weil die französische Wirtschaft zudem unter einer hohen Staatsquote, ihrer Exportschwäche und einer weiter negativen Handelsbilanz leidet. 

Immerhin hat sich die Lage auf dem französischen Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten weiter entspannt. Und hier kommt vor allem Emmanuel Macron ins Spiel. „Wirtschaftspolitisch gilt er als Modernisierer“, sagt Oliver Postler. „Sein Programm von Steuersenkungen, öffentlichen Investitionen und Arbeitsmarktreformen hat das Potenzial, die Wirtschaftsentwicklung Frankreichs wieder stärker an Deutschland heranzuführen.“

Infografik

Arbeitslosenquote Frankreich

Die Statistik bildet die Arbeitslosenquote in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und Österreich in den Jahren 2006 bis 2016 ab (Angaben in Prozent).

Quelle: Eurostat, Februar 2017.

Und was bedeutet die geschilderte Lage nun für die Anleger? Vor allem eines: ruhig und entspannt bleiben – und gegebenenfalls den Aktienbestand im Portfolio überprüfen. „Ein Wahlsieg von Macron war schon länger Teil unseres Basisszenarios“, sagt der HVB-Experte. Als lohnend dürfte sich die anstehende Dividendensaison erweisen. „Den Unternehmen geht es gut, die Unternehmen sind spendabel", so Postler. Auch steige derzeit die Kaufbereitschaft für europäische Aktien, nachdem im vergangenen Jahr das Geld vor allem in die USA und in Entwicklungsländer floss.

„Das derzeitige Umfeld sorgt für Frühlingsgefühle beim Anleger“, sagt Oliver Postler. „Und die Wahlen in Frankreich könnten das Potenzial haben, zu einem Treibsatz für die Finanzmärkte zu werden.“

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