Wahl in Frankreich: Das müssen Anleger jetzt wissen
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Wahl in Frankreich: Das müssen Anleger jetzt wissen

In der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ist das Schreckensszenario vieler Anleger – zwei europafeindliche Kandidaten in der Stichwahl – ausgeblieben. Stattdessen trifft am 7. Mai der liberal-progressive Kandidat Emmanuel Macron, der in den Prognosen deutlich vorne liegt, auf die Nationalistin Marine Le Pen. Die Märkte zeigten sich erleichtert. Euro und Euro-Aktien legten kräftig zu.

Noch vor wenigen Monaten herrschte in Europa bange Ungewissheit, ob die Franzosen bei der Präsidentschaftswahl in diesem Frühjahr einen ausgeprägten Rechtsruck vollziehen würden. Und das ausgerechnet in jenem Land, das auf eine der längsten demokratischen Traditionen weltweit blicken kann? Das als eine der Gründungsnationen der EU gilt? Das einer der Wegbereiter der europäischen Integration ist?

Für Anleger und Marktbeobachter waren diese Monate eine ungewisse Zeit, denn vor allem die Europafeindlichkeit der Kandidatin Marine Le Pen ließ wirtschaftliche Turbulenzen und sogar einen Frexit als Szenarien am Horizont erscheinen, auf die man vorbereitet sein sollte. Der Schwenk in die Gegenwart mutet paradox an: Denn obwohl Le Pen in der ersten Runde der Wahl mit gut 21 Prozent die zweitmeisten Stimmen sammelte und sich damit für die Stichwahl am 7. Mai qualifizierte, reagierten die Märkte in Europa positiv. So schoss der Euro direkt nach der Wahl in der Spitze um zwei Prozent nach oben und markierte im Vergleich zum Dollar den höchsten Wert seit Monaten. Jene Anleger, die ihr Geld im Vorfeld in sogenannten sicheren Häfen wie Gold, japanische Yen oder Bundesanleihen geparkt hatten, schichteten nach Bekanntgabe der Ergebnisse wieder um, die Kurse für Gold und Yen gingen deutlich nach unten.

Ausschlaggebend für diese Marktreaktion: erstens die Stärke des liberal-europafreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron, der wie prognostiziert mit knapp 24 Prozent der Stimmen das stärkste Ergebnis einfuhr; zweitens die Erleichterung in Wirtschaft und Politik, dass nicht, wie zeitweise befürchtet, zwei dezidiert europafeindliche Kandidaten in die Stichwahl gehen; drittens die wirtschaftlichen Rahmendaten in Europa.

„Mit dem gestrigen Wahlentscheid haben sich die politischen Unsicherheiten in Frankreich und Europa weiter verringert“, erklärt Oliver Postler, Chief Investment Officer für Privatkunden bei der HypoVereinsbank. „Die Risiken der Präsidentschaftswahl in Frankreich wurden in den Medien im Vorfeld übertrieben. Die zum Teil heftigen Gegenreaktionen nach dem ersten Wahlgang zeigen das.“ Er halte daran fest, dass mit der schrittweisen Reduzierung politischer Risiken der optimistische Euroraum-Ausblick der HypoVereinsbank, basierend auf den starken realwirtschaftlichen Daten, weiter an Gewicht gewinne. „Sollte Emmanuel Macron am 7. Mai zum neuen Präsidenten gewählt werden, dürften sich die jüngsten Entwicklungen noch einmal akzentuieren“, so Postler.

Analyse

Emmanuel Macron ist Top-Favorit

Die Franzosen haben gewählt – und schicken Emmanuel Macron zusammen mit Marine Le Pen am 7. Mai in die Stichwahl. Die Rechtspopulistin musste sich im ersten Wahlgang dem Sozialliberalen geschlagen geben. Auch in der entscheidenden Runde werden ihm die weitaus besseren Chancen eingeräumt. Lesen Sie hier, wie es politisch nun weitergeht – und was das für die Wirtschaft bedeutet.

 

Zu den relevanten Daten zählen unter anderem Konjunkturindikatoren wie der EWU-weite aggregierte Einkaufsmanagerindex, der mit 56,7 Punkten auf ein Sechs-Jahres-Hoch gestiegen ist und seine Pendants aus den USA, Großbritannien und Japan abgehängt hat. Das spricht für einen breit angelegten wirtschaftlichen Aufwärtstrend. „Angesichts des starken Jahresauftakts haben unsere Volkswirte ihre Wachstumserwartungen für den Euroraum von 1,5 Prozent auf knapp 2 Prozent angehoben“, so Oliver Postler.

Auch die Weltwirtschaft nimmt weiter an Fahrt auf. So sieht es derzeit danach aus, als könnte das globale BIP im Jahr 2017 sogar um bis zu 4 Prozent zulegen. Die globalen Einkaufsmanagerindizes lassen das stärkste Quartalswachstum seit zwei Jahren erwarten. Ähnlich positive Signale kommen vom Erwartungsindex und auch von den globalen Gewinnerwartungen.

Infografik

BIP Wachstumrate

Die Infografik zeigt das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) Frankreichs von 2006 bis 2016 (Angaben in Prozent).

 Quelle: IMF, Dezember 2016.

Doch zurück in die französische Politik: Dort sprechen die politischen Umfragen der Meinungsforscher derzeit dafür, dass Marine Le Pen im zweiten Wahlgang dem unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron unterliegen könnte, mit dem sie sich im ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte. Bislang führt Macron deutlich in den Stichwahl-Vorhersagen der Meinungsforscher. Damit nicht genug, haben die geschlagenen Kandidaten wie der Konservative François Fillon oder der Sozialist Benoît Hamon ihre Anhänger bereits dazu aufgerufen, am 7. Mai für Macron zu stimmen – eine große Hypothek für Le Pen. 

Und selbst wenn Marine Le Pen gewinnen sollte und das von ihr angekündigte Referendum zum EU-Austritt Frankreichs starten würde – was verfassungsrechtlich gar nicht so einfach ist – so dürften ihr die EU-freundlich gesinnten Franzosen die Mehrheit hierfür verweigern. „Den Euro sehe ich also derzeit nicht in Gefahr“, so Postler. 

Im Gegenteil: Für Frankreich vertritt der HVB-Experte die Einschätzung, dass durch die politischen Aussichten eher positive Marktimpulse erzeugt werden könnten. So dürfte sich ein vermuteter neuer Präsident Macron durchaus reformfreudig und europafreundlich zeigen. „Unserer Einschätzung nach könnte die französische Wirtschaft insgesamt profitieren, was sich wiederum positiv auf die Finanzmärkte niederschlagen würde“, so Oliver Postler.

Doch gibt es auch einige unwägbare Faktoren. Zum einen wäre da die Tatsache, dass die Demoskopen bei der US-Präsidentschaftswahl ein Debakel erlebten, als sie die Zustimmung für den Kandidaten Donald Trump in weiten Teilen der Bevölkerung unterschätzten. Verschafft sich die „schweigende Mehrheit“ auch in Frankreich erst bei der Stichwahl mit ihrem Kreuz Gehör? Immerhin holte sich die Zunft der Meinungsforscher mit der korrekten Vorhersage des ersten Wahlgangs ein wenig von dem Vertrauen zurück, das nach der US-Wahl 2016 verloren gegangen war. 

Unklar ist auch, welche Rolle die Sozialen Medien spielen werden. Wie Trump baut Marine Le Pen auf ein schlagkräftiges Netzwerk von Bloggern und digitalen Unterstützern, um ihre Botschaften unabhängig von den traditionellen Medien zu kommunizieren. Und auch die oft beschworenen „Social Bots“ dürften längst zum Einsatz kommen, automatisierte Chat-Programme, die die Schlagkraft eines Kandidaten in den Sozialen Medien vervielfachen können (siehe Kasten).

Merkbox

Social Bots

 

 

Gleichzeitig ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ohne Frage reformbedürftig. „Die Verschuldungsquote liegt hier bei 96 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, gibt Postler zu bedenken. „In Deutschland liegt dieser Wert nur bei 72 Prozent.“ Impulse wären auch deshalb absolut nötig, weil die französische Wirtschaft zudem unter einer hohen Staatsquote, ihrer Exportschwäche und einer weiter negativen Handelsbilanz leidet.

Immerhin hat sich die Lage auf dem französischen Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten weiter entspannt. Und hier kommt vor allem Emmanuel Macron ins Spiel. „Wirtschaftspolitisch gilt er als Modernisierer“, sagt Oliver Postler. „Sein Programm von Steuersenkungen, öffentlichen Investitionen und Arbeitsmarktreformen hat das Potenzial, die Wirtschaftsentwicklung Frankreichs wieder stärker an Deutschland heranzuführen.“

Infografik

Arbeitslosenquote Frankreich

Die Statistik bildet die Arbeitslosenquote in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und Österreich in den Jahren 2006 bis 2016 ab (Angaben in Prozent).

Quelle: Eurostat, Februar 2017.

Und was bedeutet die geschilderte Lage nun für die Anleger? Vor allem eines: ruhig und entspannt bleiben – und gegebenenfalls den Aktienbestand im Portfolio überprüfen. Als lohnend dürfte sich die anstehende Dividendensaison erweisen, schätzt Oliver Postler. „Den Unternehmen geht es gut, die Unternehmen sind spendabel.“ Auch steige derzeit die Kaufbereitschaft für europäische Aktien, nachdem im vergangenen Jahr das Geld vor allem in die USA und in Entwicklungsländer floss. Anleger könnten so mindestens mittelfristig profitieren. „Das derzeitige Umfeld sorgt für Frühlingsgefühle beim Anleger“, sagt Oliver Postler. „Und die Wahlen in Frankreich haben jetzt erst recht das Potenzial, zu einem Treibsatz für die Finanzmärkte zu werden.“

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