Mehr als eine Möglichkeit bei der Unternehmens­nach­folge
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Mehr als eine Möglichkeit bei der Unternehmens­nach­folge

NACHFOLGESTRATEGIE

Familienintern, betriebsintern bis hin zum Verkauf: Wenn es um die Nachfolge in Familienunternehmen geht, gibt es verschiedene Strategien. Finden Unternehmer keinen passenden Nachfolger in ihrer Familie, müssen sie frühzeitig nach Alternativen suchen.

Wer übernimmt in Familienbetrieben das Ruder, wenn der Chef nicht mehr kann oder will? Übergeber, die eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge sicherstellen wollen, sollten rechtzeitig eine Strategie entwickeln und die Optionen planen. Die Form der Unternehmensnachfolge hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen die Situation des Unternehmens, Zukunftsperspektiven und persönliche Vorlieben eine wichtige Rolle.

Grundsätzlich stehen drei Modelle zur Wahl:

  • Unternehmensübergabe innerhalb der Familie,
  • Übergabe an ein bestehendes Management-Team innerhalb des Betriebes (Management-Buy-out, MBO) oder an ein Management-Team von außen (Management-Buy-in, MBI) oder
  • Unternehmensübertragung an Dritte durch Verkauf.
Infografik

Arten der Unternehmensübertragung

Die Übergabe innerhalb der Familie ist traditionell die häufigste Form der Unternehmens­übertragung. Doch es gibt Alternativen, sollte ein geeigneter Nachfolger fehlen.

Unternehmensübergabe innerhalb der Familie

Die familieninterne Übergabe eines Unternehmens ist die häufigste Übergabeform. Allerdings ist diese traditionelle Form keineswegs mehr selbstverständlich. „Heute ist es so, dass die Kinder der Firmenchefs nicht selbstverständlich den Betrieb der Eltern übernehmen wollen, sondern andere Vorstellungen und Lebenskonzepte haben. Häufig haben Sie aufgrund hochwertiger Qualifikationen attraktive Alternativen“, sagt Bernhard Wochinger, Experte für M&A (Mergers & Acquisitions) bei der HypoVereinsbank (HVB).

Weiterhin kann es innerhalb der Familie zum Streit kommen. Gibt es einen Nachfolger aus der Familie, muss dieser die übrigen anspruchsberechtigten Familienmitglieder abfinden. Das führt nicht selten zu gravierenden emotionalen und finanziellen Problemen. Daher ist es für eine erfolgreiche Nachfolge unerlässlich, den Nachfolgeplan frühzeitig und strategisch auszurichten.

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Stiftungen als Nachfolgelösung

Eine andere Lösung, bei der das Unternehmen auch noch in der Familie bleibt, sind Stiftungen. So können Familienmitglieder den Bestand von Vermögen wie beispielsweise Unternehmensanteile, Immobilien und Sammlungen zeitlich unbegrenzt regeln.

Damit stellt der Inhaber sicher, dass sein Lebenswerk über Generationen hinweg erhalten bleibt und fortgeführt wird. Der Stiftungsgründer sollte aber sicher sein, dass das Unternehmen alleine überlebensfähig ist.

Unternehmensübergabe außerhalb der Familie

Aber nicht immer lässt sich eine Unternehmensübertragung innerhalb der Familie realisieren. Eine externe Lösung muss her. Spezialisten aus dem M&A-Team der HypoVereinsbank unterstützen den Firmeninhaber dann dabei, eine Nachfolgeregelung erfolgreich durchzuführen. Dabei wird ein professioneller Prozess auch für Unternehmen des Mittelstandes aufgesetzt. Schwerpunkt ist eine ganzheitliche, langfristige Beratung bis hin zur Finanzierung der Übernahme – und für die Übergeber auch eine Beratung dahin, wie diese den Verkaufserlös wieder anlegen können.

Im M&A-Prozess geht es auch darum, Fehler zu vermeiden, die den Erfolg einer Unternehmensübergabe gefährden könnten. Wichtig sind dabei Fragen wie:

  • Wie steht es mit der Vertraulichkeit?
  • Wer erfährt wann was von der geplanten Übergabe?
  • Bleiben wichtige Manager und Mitarbeiter?
  • Machen die Kunden den Wechsel zur neuen Geschäftsführung mit?
  • Wie vermeide ich als Verkäufer Reibungspunkte mit dem Erwerber?

Management-Buy-out / Management Buy-in

Familienexterne Formen der Übertragung von Familienunternehmen, bei der sich ein oder mehrere Manager am Unternehmen beteiligen, werden Management Buy-Out (MBO) oder Management-Buy-In (MBI) genannt.

Während bei einem MBO der eigene Manager oder ein erweitertes Management-Team die Übernahme stemmt, erwirbt beim MBI ein firmenfremdes Management das Eigenkapital des zu übernehmenden Unternehmens. Für die Manager ist vor allem die Aussicht interessant, durch die Fortführung des Unternehmens am Unternehmenserfolg teilzuhaben und diesen direkt beeinflussen zu können. Der Vorteil beim MBO:

  • Das eigene Management kennt Stärken und Schwächen des Unternehmens sehr genau,
  • hat technisches Know-how und Firmenwissen,
  • und ist bekannt bei Belegschaft, Kunden und Lieferanten.

Beim selteneren MBI ist das Übernahmerisiko für das neue Management deutlich größer als beim MBO, da sich das neue externe Management die internen Kenntnisse erst erarbeiten muss.

Bei einem MBO oder MBI wird die Übernahme in der Regel über eine gesunde Mischung aus Eigen- und Fremdkapital finanziert. Je nach Größe des Unternehmens und des Vermögens der Manager wird es bei einem Buy-out notwendig sein, dass weitere Investoren das Management mit Eigenkapital unterstützen. Das sind normalerweise Beteiligungsholdings, Family Offices oder Private-Equity-Fonds.

Als Sonderfall ist es über das Buy-out-Modell auch möglich, ein eigenes Family Office als Familienholding zu gründen anstatt das Unternehmen zu verkaufen. Dabei können Vater, Mutter und Kinder dazu eine GmbH gründen. Die Familie bekommt die Dividende des Unternehmens, operativ tätig ist sie hingegen nicht mehr.

Private Equity

Die Private-Equity-Lösung kommt meist bei größeren mittelständischen Unternehmen zum Tragen. Hier kann es sich anbieten, dass auch die zweite Managementebene des Unternehmens bei der Führung des Betriebs beteiligt wird. Der frühere Firmenbesitzer wird in der Regel weiterhin in der Rolle als Beirat oder in Beraterfunktion für einen Zeitraum von ein bis drei Jahren tätig bleiben – zum Vorteil für Belegschaft, Kunden und neue Besitzer.

„Unabhängig davon, wofür man sich letztlich entscheidet: Bei allen Modellen ist die rechtzeitige, individuelle und professionelle Vorbereitung überaus wichtig.“

Bernhard Wochinger,
Experte Mergers & Acquisitions, HypoVereinsbank (HVB)

Neben den klassischen Private-Equity-Investoren, die meistens nicht mehr als fünf bis sieben Jahre beteiligt bleiben wollen, gibt es auch Investoren mit langfristigem Ansatz. Hier kann die Bank bei der Auswahl unterstützen und als Vermittler zwischen den Parteien auftreten.

Verkauf an Dritte

Steht das Management nicht für eine Beteiligung zur Verfügung oder strategische Gründe sprechen dafür, dann könnte ein Konzern oder ein größeres mittelständisches Unternehmen als Käufer in Frage kommen. Solche Lösungen sind in der Regel langfristig ausgerichtet und haben das Potenzial, Synergieeffekte zu erzielen.

Beim Verkauf des Unternehmens an Dritte stehen der erfolgreiche Fortbestand der Firma, die finanzielle Absicherung des Übergebers und eine marktorientierte Preisgestaltung im Fokus. Bei den Verkaufsverhandlungen müssen die Beteiligten neben dem Erlös auch rechtliche und steuerrechtliche Aspekte sowie Überlegungen zum weiteren Vorgehen nach dem Verkauf berücksichtigen.

Eine Variante ist es zum Beispiel, dass der Abgeber noch einige Zeit im Unternehmen bleibt, um einen schrittweisen Übergang zu gewährleisten. So kann zum Beispiel zunächst eine Minderheit verkauft werden, um einen Teil des Vermögens hinter die Brandmauer zu bringen, ohne aber die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren.

Um im Mittelstand oft auftretende Bewertungsdifferenzen zu vermeiden, die nicht selten Grund sind, dass Verhandlungen scheitern, können sich die Parteien auf ein Earn-out-Modell einigen. Hier wird ein Teil des Kaufpreises in Abhängigkeit davon bezahlt, ob die vorgelegte Unternehmensplanung eintritt.

„Unabhängig davon, wofür man sich letztlich entscheidet: Bei allen Modellen ist die rechtzeitige, individuelle und professionelle Vorbereitung überaus wichtig“, weiß Bernhard Wochinger aus Erfahrung.

Firmenübergeber sollten frühzeitig bedenken, was im Rahmen der Nachfolgeplanung zu tun ist oder auch was besser nicht zu tun ist. So wäre es womöglich kontraproduktiv, betriebsnotwendiges Vermögen wie Grundstücke zur Betriebserweiterung abzustoßen oder Anteile an Tochtergesellschaften zu veräußern; andererseits sollte Betriebsvermögen, das nicht betriebsnotwendig ist, gegebenenfalls im Vorfeld ausgegliedert werden, da es nicht zum Wert des Unternehmen beiträgt.

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