So klappt es mit der Praxisübernahme
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So klappt es mit der Praxisübernahme

Praxisübernahme

Der Traum von der eigenen Praxis muss kein Traum bleiben. Doch eine Praxis allein ist keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg. So helfen detaillierte Planung, ein fundierter Businessplan und versierte Berater.

Selbstständig zu arbeiten, heißt: sein eigener Chef zu sein, sich seine Arbeit und seine Freizeit selbst einzuteilen. Motivation gerade für junge Ärzte, die in der Facharztausbildung im Krankenhaus angestellt sind. Die Grundsituation scheint günstig: In den nächsten Jahren stehen viele Arztpraxen zur Übergabe an und aufgrund des demografischen Wandels steigt der Bedarf an medizinischer Versorgung. Es verwundert daher nicht, dass das Gesundheitswesen in Deutschland mittlerweile die Branche mit dem größten inlandsgetriebenen Wachstum ist. Längst ist die Ärzte- und Zahnärztedichte ein Indikator für das Potenzial von Wirtschaftsräumen und die Attraktivität ganzer Regionen geworden.

Zusätzlich sollten das aktuell niedrige Zinsniveau und eine Vielzahl von Zuschüssen und Fördermöglichkeiten für Investitionsstimmung sorgen.

Die Gesundheitswirtschaft als Wachstumsbranche

Dennoch ist Selbstständigkeit an sich keine Garantie für Erfolg. Allgemeinmediziner auf dem Land tun sich oft schwer, Nachfolger zu finden. Wer dort eine Praxis übernimmt, hat zwar weniger Konkurrenz, steht aber vor der Herausforderung, ein tragfähiges Konzept in einem schwierigen Umfeld zu entwickeln. In den Ballungsräumen dagegen brauchen Ärzte ein Positionierungskonzept, um aus der Vielzahl der Ärzte herauszuragen.

„Die Gesundheitswirtschaft ist in Deutschland mittlerweile eine große Wachstumsbranche“, sagt Alexandra Peitz, Leiterin Heilberufe München, Region Bayern Süd bei der HypoVereinsbank. Eine Praxis müsse heute daher wie ein modernes mittelständisches Unternehmen geführt werden. „Dieses Unternehmertum muss neben einer hervorragend praktizierten Medizin vom Praxisübernehmer auch vollumfassend gelebt werden.“ Was es dazu brauche seien Führungsstärke beim Praxisteam, Organisationstalent und Marketing ebenso wie die geduldige Abarbeitung des Papierkrams.

Garantien dafür, dass der Laden brummt, gibt es keine. Neben den Chancen bestehen eben auch Risiken. Welche Seite überwiegt? Das muss jeder für sich entscheiden.

„Für viele junge Ärzte lohnt sich die Niederlassung mehr als sie denken“, sagt Professor Dr. Wolfgang Merk vom gleichnamigen Sachverständigeninstitut. Er verweist darauf, dass es gegenüber der Eröffnung einer eigenen Praxis eine Menge negativer Vorurteile gibt. Etwa: schlechtes Einkommen, lange Arbeitszeiten und hohe Inflexibilität. In der Realität sei dies oft aber ganz anders.

„Das Einkommen, das man mit der eigenen Praxis erzielen kann, ist meist deutlich höher als das bei Ärzten, die im Krankenhaus arbeiten“, so Merk. Selbstständigkeit helfe zudem Medizinern, eine gute Work-Life-Balance zu finden. „Viele Ärzte, die sich für die Niederlassung entschieden haben, erzählen mir heute: Wenn sie gewusst hätte, dass es so gut läuft, hätten sie den Schritt vielleicht schon früher getan.“

Infografik

Formen der Selbstständigkeit

Hat sich ein Arzt grundsätzlich für die Selbstständigkeit entschieden, geht es anschließend um die Frage nach der Form: Einzelpraxis, Praxisübernahme, Praxisgründung mit Partnern oder Einstieg in eine bestehende Praxis.

Wer sich entschieden hat, eine Praxis zu übernehmen, ist zumindest statistisch auf der sicheren Seite. Laut Merk liegt das Insolvenzrisiko einer normalen Praxis bei etwa 0,1 Prozent - eingeschlossen private Insolvenzgründe.

Dennoch: Wer eine Praxis übernehmen möchte, sollte sich die Objekte gut ansehen und nichts überstürzen. Dabei geht es nicht nur um die Patientenstruktur und Mitarbeiter oder äußere Aspekte wie Lage, Erreichbarkeit und Parkplätze. Auch Faktoren wie der Zustand der Praxis und die Ausstattung mit Geräten sind relevant, denn hier können sich Kosten verstecken, die die Übernahme verteuern.

Bis zu drei Jahre für eine optimale Vorbereitung

„Die optimale Zeitspanne zur Vorbereitung hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Finanzexpertin Peitz. Dazu zählen insbesondere die medizinische Fachrichtung und die damit verbundenen örtlichen arztgruppenbezogen Zulassungsbeschränkungen der jeweiligen Landesausschüsse der Ärzte und Krankenkassen. „Dennoch sollte unabhängig der medizinischen Fachrichtung grundsätzlich ein Zeitraum von bis zu drei Jahren für eine optimale Vorbereitung einer Praxisübernahme eingeplant werden.“

Bereits die Suche nach einer geeigneten Praxis insbesondere in Ballungsgebieten kann dauern. Peitz: „So gibt es zum Beispiel für die Übernahme von dermatologischen Praxen eher ein sehr geringes Angebot und damit eine sehr hohe Nachfrage.“

Klare Positionierung, durchdachte Strategie

Wer als Arzt und Unternehmer dauerhaft erfolgreich sein will, braucht eine individuelle Strategie und eine klar erkennbare Positionierung. Vielleicht ist die bisherige Ausrichtung der Praxis richtig. Vielleicht lässt sie sich aber optimieren. Wichtig ist ein klares Profil am Markt. Der wachsende Gesundheitsmarkt allein ist keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg.

Grundsätzlich lassen sich vier Positionierungstypen unterscheiden:

Allrounder: Das Schweizer Taschenmesser unter den Medizinern. Breite Patientenbasis, großes Einzugsgebiet. Standardisierte Angebotspalette. Beispiel: allgemeinmedizinische Großpraxen

Fachexperte: Spezialist für einen konkreten Bedarf. Überregionales Profil, hochwertige technische Ausstattung, oft hohe Leistungsfähigkeit (ambulante statt stationäre Behandlung), eng vernetzt mit Überweisern. Beispiel: ambulante spezialisierte Chirurgen, Radiologen

Komfortanbieter: Alles aus einer Hand. Hoher Service- und Komfortgedanke, kurze Wege für den Patienten durch viele ärztliche Leistungen in Diagnose und Therapie unter einem Dach. Beispiel: Ärztehaus

Kundenspezialist: Experte für die Nische. Starke Ausrichtung auf eine scharf umrissene Zielgruppe. Beispiel: Betriebsmedizin für große Unternehmen, Angebote für ausländische Patienten

Wichtig dabei ist, den Kurs immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, da sich Marktgegebenheiten ändern können. Mehr Informationen finden Sie zum Beispiel im "Branchendialog Gesundheit".

Merkliste

Die richtige Positionierung

Was macht Ihre Praxis aus? Was machen Sie anders als andere?

Ohne Businessplan geht nichts

Analyse, Positionierung und Strategie sind wichtig, um einen tragfähigen Businessplan entwickeln zu können. Mit dem unternehmerischen Konzept oder Praxiskonzept geht man in die Kreditverhandlung, plant und strukturiert seine Ideen und kann schließlich auch deren Umsetzung nachhalten. Der Investitionsplan ist Grundlage für die Ermittlung des Kreditbedarfs. Er stellt sicher, dass Sie alle geplanten Investitionen erfassen und schützt vor Kostenüberschreitungen. Mit dem Umsatz- und Ertragsplan schließlich lässt sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Praxis ermitteln. Er hilft unter anderem auch bei der Bewertung des Kaufpreises. In der "Checkliste für die Praxisgründung oder -übernahme" finden Sie wichtige Informationen zum Start in die Selbstständigkeit.

Besprechen Sie den Businessplan mit Ihrer Bank. Heilberufespezialisten können dabei unterstützen. Manche Banken bieten diese Beratungsexpertise, und manche Banken wie die HypoVereinsbank führen zudem zusammen mit potenziellen Praxisübernehmern eine ausführliche Stärken-Schwächen-Analyse sowie eine grobe Wertermittlung als Anhaltspunkt durch. Ziel ist zu ermitteln, ob der Wert der Praxis in das Gesamtfinanzierungskonzept passt und dieses tragfähig ist.

„Heilberufespezialisten unterstützen den Arzt beim Kauf der ersten Praxis, wie auch bei allen weiteren unternehmerischen und privaten finanziellen Entscheidungen.“

Alexandra Peitz,
Leiterin Heilberufe München, Region Bayern Süd bei der HypoVereinsbank

„Heilberufespezialisten unterstützen den Arzt beim Kauf der ersten Praxis, wie auch bei allen weiteren unternehmerischen und privaten finanziellen Entscheidungen“, sagt Alexandra Peitz. „Das fängt bei der betrieblichen Finanzierung der Praxis an, schließt aber insbesondere auch Beratungskompetenz für die persönliche und betriebliche Absicherung und verschiedene Notfallkonzepte ein.“

Förderkredite als Finanzierungsalternative

Die wenigsten Ärzte werden eine Praxisübernahme mit Eigenkapital finanzieren. Förderkredite sind bei Praxisübernahmen (und auch bei Praxisgründungen) eine Möglichkeit, Zinsvorteile zu nutzen. Mehr als 1.700 Programmvarianten gibt es bundesweit. Welches das richtige Programm für das Vorhaben ist, hängt ab von Kriterien wie Zweck und Inhalt des Vorhabens, Standort, Höhe der Investition. Die Menge an Programmen macht den Markt unübersichtlich – möglicherweise ein Grund, dass mehr als 60 Prozent der gewerblichen Investitionen mit Eigenkapital finanziert werden.

Dabei lassen sich beispielsweise über das KfW-Energieeffizienzprogramm Ersatzinvestitionen in energiesparende Geräte sehr zinsgünstig realisieren. Darüber hinaus ermöglicht der KfW Unternehmerkredit günstige Finanzierungen für Vorhaben auch ohne konkreten Umweltbezug.

Förderinstitute auf Landesebene

Auf Landesebene stehen über eigene Förderinstitute ebenfalls hochattraktive Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. So bietet beispielsweise in Bayern die LfA Förderbank mit dem Startkredit/Startkredit 100, Investivkredit/Investivkredit 100, Universalkredit und Ökokredit Förderprogramme zur Finanzierung von Investitionsvorhaben für Ärzte und Zahnärzte an.

Speziell für Gründer gibt es bei der KfW zudem unter anderem den ERP-Gründerkredit - Universell, das ERP-Kapital für Gründung und den ERP Gründerkredit - Startgeld. Einige Förderprogramme können dabei mit einer anteiligen Haftungsfreistellung zugesagt werden, andere sind als eigenmittelähnlich anerkannt und wirken sich so günstig auf die Bilanzstrukturen und das Rating des Gründers aus.

Als Arzt und Zahnarzt sollte man sich von seinem Finanzpartner umfassend zu den Finanzierungsmöglichkeiten beraten lassen. Einige Banken wie beispielsweise die HypoVereinsbank haben spezialisierte Heilberufeteams sowie Fördermittelspezialisten, die den optimalen Finanzierungsmix mit dem Kunden und dessen Steuerberater oder Rechtsanwalt erarbeiten. Ihre Aufgabe:

  • Prüfen des Vorhabens: Marktchancen, Branchen-Know-how, Betriebswirtschaftlichkeit, Gründer-Expertise
  • Konzeption des Finanzierungsmixes: Ausschöpfen öffentlicher Fördermittel sowie Beratung zu Investitionszuschüssen und Beteiligungen, Sicherung des Betriebsmittelbedarfs und der Kapitaldienstfähigkeit
  • Begleitung der Antragstellung: Vorbereiten der Förderanträge, Bereitstellen von Checklisten und Informationsunterlagen

Wichtig: Förderanträge müssen vor Beginn eines Vorhabens (zum Beispiel vor Unterzeichnung von Übernahmeverträgen) gestellt werden!

Merkliste

Förderkredit

Im Vergleich zu herkömmlichen Krediten können Förderkredite Zinsvorteile bringen.

Daneben gibt es weitere Finanzierungsformen:

  • Bankdarlehen: deckt mittel- und langfristigen Kapitalbedarf
  • Leasing: beispielsweise für Hard- und Software, Medizintechnik und Praxiseinrichtungen; steuergünstig und bilanzschonend
  • Betriebsmittelkredit: eine Art „Praxis-Dispo“ zur kurzfristigen Sicherung der Liquidität
  • Immobiliendarlehen: langfristig günstige Zinsen, lange Laufzeiten möglich

Private Ausgaben und Absicherung

Durch die Selbstständigkeit ändern sich auch die privaten Finanzen. So muss bei der Finanz- und Liquiditätsplanung beispielsweise berücksichtigt werden, dass die Krankenversicherung in voller Höhe selbst bezahlt werden muss, sich die Höhe der Ärzteversorgung am Gewinn orientiert und Steuerzahlungen anstehen.

Zuletzt gehört zum Schritt in die Selbstständigkeit auch die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und damit der Praxis, aber auch der Familie (Unfall-, Kranken- und Krankentagegeldversicherung, Risikolebensversicherung), die private und betriebliche Altersvorsorge. Und ein Plan, wie Praxisübernehmer ihren Ruhestand gestalten wollen – und damit die Praxisübergabe.

Fazit: Der Schritt in die Selbstständigkeit durch eine Praxisübernahme bietet für Mediziner Chancen, bedeutet aber auch Risiko und Aufwand – der mit Experten, die das Projekt von Anfang an begleiten, aber beherrschbar ist. Gründliche Analyse und eine durchdachte Strategie bilden die Basis für einen tragfähigen Businessplan. Fördermittel können eine clevere Beimischung im Finanzierungsmix sein. Spezialisten für Heilberufe in Banken sollten den Weg zur eigenen Praxis begleiten.

Wie heißt es so schön: Der wichtigste Teil der Arbeit ist immer der Anfang. Oder um es mit dem griechischen Philosophen Demokrit zu sagen: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“

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